Sony KD-55A1 (Test)

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Veredelt: Die Fernbedienung des Bravia-OLEDs wirkt dank der Rückseite aus Metall hochwertig. Das Tastenfeld könnte jedoch aufgeräumter sein; besonders im Bereich des Cursor-Elements in der Mitte.

prosconsMit der neuen A1-Serie könnte sich Sony zu einer echten Größe auf dem OLED-Markt etablieren. Der Preis für das Einstiegsmodell wurde vor Kurzem sogar um 500 Euro gesenkt.

Fakt ist: Es gibt keine schlechten OLED-TVs, erhielten doch alle bislang von uns geprüften Modelle ein „sehr gut“. Sony hat mit seinem Debütanten KD-65A1 in audiovision 6-2017 ein besonders glückliches Händchen bewiesen und geradewegs die Bestenliste erobert; nicht zuletzt dank der innovativen „Acoustic Surface Technology“. Ob der zehn Zoll kleinere sowie 2.000 Euro günstigere Bruder KD-55A1 die gleiche brillante Bild- und Tonqualität liefert, erfahren Sie im nachfolgenden Test.

Ausstattung und Praxis

Bis auf die Größe sind die A1-Modelle baugleich – dies gilt auch für das 77-Zoll-Flaggschiff, welches bis Jahresende auf den Markt kommen soll. Beim Design setzen alle auf das „One Slate Concept“, das ohne sichtbaren Standfuß und Lautsprecher einen ablenkungsfreien Bildgenuss verspricht. Tatsächlich besitzt der Bravia-OLED keine normalen TV-Boxen, sondern nutzt das Display selbst als tönende Membran. Seine geringe Tiefe von sieben Millimetern wird dadurch erreicht, dass die gesamte Hardware respektive Technik in der rückseitigen Stütze steckt.

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Fels in der Brandung: Die wuchtige Stütze auf der TV-Rückseite sorgt für bombenfesten Stand – auch weil das Display um ein paar Grad nach hinten geneigt ist.

Dabei bedienen sich die Japaner teilweise aus dem Regal des Spitzen-LCDs ZD9 (audiovision 11-2016). Von ihm stammen der „X1 Extreme“-Prozessor und diverse Schaltungen – zum Beispiel die „Doppelte Datenbankverarbeitung“, die das Rauschen im Bild reduzieren und die Klarheit erhöhen soll, oder die „Objektbasierte HDR-Überarbeitung“ zur Kontraststeigerung einzelner Bereiche. Das „Backlight Master Drive“ ist natürlich überflüssig, da die 8,3 Millionen organischen Pixel des A1 von selbst leuchten. Etwas schade finden wir den Verzicht auf 3D.

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Vorhang auf: Die Anschlüsse befinden sich in der rückseitigen Stütze. Dank der Stoffabdeckung und des Kabelmanagements können die Strippen unsichtbar zum Boden verlegt werden. Lob verdient auch die solide Verarbeitung.

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Holt zum Tiefschlag aus: Der Bassreflex-Subwoofer wirkt unscheinbar, fügt sich aber bruchlos ins Klangbild ein und sorgt für ordentlich Wumms in Actionfilmen.

Wuchtige Lautsprecher spielten bei Sonys früheren TV-Flaggschiffen eine bedeutende Rolle und setzten Maßstäbe in puncto Klangqualtität. Dass es aber auch ganz ohne geht, beweisen die OLEDs der Japaner. Denn statt konventionellen Boxen kommen im A1 (oder besser gesagt auf der Gehäuserückseite) links und rechts jeweils zwei sogenannte Aktuatoren zum Einsatz. Ihre Vorteile liegen nicht nur in den kompakten Maßen, wodurch das Gehäuse die schlanke Linie beibehält, sondern auch im erstaunlich vollmundigen Sound, da sie die Tonschwingungen direkt auf den Bildschirm übertragen und dieser so als eine große Projektionsfläche fungiert. Sony nennt das Prinzip „Acoustic Surface Technology“.

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Sieben an der Zahl: Der Equalizer im erweiterten Tonmenü erlaubt eine detaillierte Klangjustage, sollte man mit den Audio-Presets des A1 unzufrieden sein.

Bei höheren Schallpegeln spürt man sogar, wie das Display (leicht) vibriert – wohlgemerkt: ohne Störgeräusche zu verursachen oder die Bildqualität zu beeinträchtigen. Allerdings lassen sich auf diese Weise nur Höhen und Mitten erzeugen; tiefe Töne werden zum Bassreflex-Subwoofer in der rückseitigen Stütze geleitet. Er steuert bereits ab 50 Hertz saubere Bässe und ab 60 Hertz volle Pegel bei.

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Kein besonderes Erlebnis: Der Bravia-OLED erzeugt einen virtuellen Raumklang-Effekt, welcher mit echten Surround-Analgen aber natürlich nicht mithalten kann.

Der Übergang zwischen dem Stereosystem sowie dem drei Zoll großen Tieftöner gelingt fließend, so dass Stimmen stets sonor und fest klingen. Doch auch ganze Orchester respektive Konzertmitschnitte bringt der A1 sauber zu Gehör. Die ab Werk aktive „ClearAudio+“-Schaltung gibt jedenfalls keinen Anlass zur Kritik und überzeugt uns im Zusammenspiel mit dem Tonmodus „Standard“ auf ganzer Linie.

Als Betriebssystem werkelt auf dem Gerät (seit dem Ende Mai ausgerollten Update) die von vielen ersehnte, Android-Version 7.0 alias Nougat. Diese bringt unter anderem eine Bild-in-Bild- sowie die Task-Switching-Funktion zum direkten Wechsel zwischen den zuletzt geöffneten Apps beziehungsweise Anwendungen mit.

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Für Smart-TV-Freunde unverzichtbar: Wem die vorinstallierten Apps nicht genügen, der wird garantiert im Play Store fündig. Ein Google-Konto ist natürlich Pflicht.

Neu sind außerdem die Unterstützung mehrerer Google-Konten sowie des HLG-Standards, um künftig in HDR-Qualität ausgestrahlte TV-Programme über den integrierten Tuner empfangen zu können. Dolby Vision wird in einer späteren Firmware freigeschaltet, was sich bei der mageren Auswahl an Inhalten aber verschmerzen lässt.

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Mehr Bild, weniger Text: Das Systemmenü erstreckt sich in Android 7.0 nicht mehr über das gesamte Display, was der Übersichtlichkeit zugutekommt.

Das Navigieren geht nun gefühlt etwas flüssiger von der Hand als bisher, obgleich die Benutzeroberfläche unseres Testgeräts nach der Ersteinrichtung nur langsam in die Gänge kam.

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Task-Switching: Bleibt man länger auf der Home-Taste, blendet der TV alle zuletzt geöffneten Anwendungen ein. Das Wechseln zwischen Apps gelingt so erheblich flotter.

Bildqualität

Frei nach dem Motto „viel hilft viel“ steigert Sony die Anzahl der Bildmodi von acht im Tuner-Betrieb auf ganze zwölf bei HDMI-Zuspielung. Wie der große Bruder zeigt der KD-55A1 in den Presets „Cinema pro“ und „Anwender“ die neutralsten Farben mit sehr guten Delta-E-Werten von durchschnittlich 2,2.

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Leicht zu übersehen: Leider gibt es für die neue Bild-in-Bild-Funktion keine Direkttaste; sie versteckt sich im Action-Menü.

Bemerkenswert finden wir, dass sie selbst von der Seite homogen und rein leuchten, woran die meisten LCD-Konkurrenten scheitern. Generell zeichnet sich der Bravia-OLED durch eine exzellente Blickwinkelstabilität aus – der Kontrast bleibt über den gesamten Bereich stabil, die Helligkeit nimmt bloß geringfügig ab. Allerdings sind die 18 Prozent schon grenzwertig, zumal die Lichtausbeute in SDR mit 210 Candela dürftig ausfällt.

Das Preset „Foto Anwender“ entlockt HDMI-Signalen immerhin bis zu 280 Candela bei weitgehend natürlichen Farben. Die wahre Geheimwaffe findet sich jedoch in den Videooptionen: Aktiviert man hier den HDR-Modus „HLG“, werden Spitzlichter so geboostet, dass die Weltraum-Szenen zu Beginn von „Elysium“ oder „Gravity“ (auch dank des brillanten Schwarzwerts) ungemein plastisch wirken.

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Breit gefächert: Die Farben wirken über den gesamten Blickwinkelbereich neutral. Erst aus stark versetzter Perspektive ab etwa 60 Grad verlieren sie an Intensität.

Auch im HDR-Betrieb fährt der Sony A1 sein komplettes Arsenal aus zwölf Bildmodi auf. Unser Favorit bleibt allerdings „Cinema pro“, obgleich das Pendant „Cinema home“ dank der etwas breiteren DCI-P3-Abdeckung für Freunde intensiver Farben eine interessante Alternative darstellt. Helle Kontraste übersteuern hier außerdem weniger. Störend hingegen finden wir die dunklere Gamma-Charakteristik, weshalb viele HDR-Szenen relativ düster und flach wirken. De facto leuchten beide Presets aber gleich stark beziehungsweise schwach. Denn während Spitzlichter vor schwarzem Hintergrund mit bis zu 656 Candela erstrahlen, kommen im vollflächigen Weiß kaum mehr als die bei SDR gemessenen 150 Candela zustande.

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Nah dran: Der Bravia-OLED deckt den DCI-P3-Farb­raum auch im Bildmodus „Cinema home“ nicht vollständig ab, dennoch wirken HDR-Videos brillant.

Blickt man seitlich auf den Bildschirm, geht die Helligkeit noch weiter zurück. Trotzdem erscheinen Farben und Graustufen über den gesamten Bereich sehr sauber. Einzig Magenta driftet schon aus zentraler Perspektive in Richtung Rot, was sich mangels Farbmanagement nicht beheben lässt. Dafür können Cineasten mit ein paar Handgriffen im Bildmodus „Cinema pro“ aber die Differenzierung heller Nuancen verbessern, indem sie – wie beim 65-Zöller – den Kontrast von 90 auf 78 absenken und die Helligkeit (im Sony-Menü „Schwarzwert“ genannt) von 50 auf 62 anheben.

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Neben HDR-10 und HLG sollen Sonys Top-TVs nach einem Update Ende 2017 auch Dolby Vision unterstützen. Derzeit erscheinen die Videos nur in SDR-Qualität.

Der vergrößerte Farbraum dürfte nicht jedem gefallen, zumal darunter die Natürlichkeit mancher Motive leidet. Grautöne erscheinen ab Werk etwas zu kühl (6.700 Kelvin). Dagegen hilft das leichte Absenken des Reglers „Blau Gain“ im erweiterten Farbtemperatur-Menü.

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Weißabgleich: Sony gestattet lediglich eine Anpassung der Farbtemperatur und verzichtet auf Regler zur Korrektur einzelner Nuancen – nötig sind sie zum Glück nicht.

OLED-typisch nimmt die Leuchtdichte mit steigendem Weißanteil stark ab; im Vollbild bleiben lediglich 149 Candela übrig. Dennoch punktet der A1 mit einem exzellenten (ANSI-)Kontrast von 3.431:1.

Lob verdient auch die hohe Bewegungsschärfe, wobei sie nach wie vor nicht getrennt für TV-Material sowie Kinostreifen einstellbar ist. Einen guten Kompromiss, ohne den originalen 24p-Filmlook von Blu-rays zu beseitigen, schafft das Motionflow-Preset „Anwender“ mit Glättungsstufe „2“.   

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bewertung

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Der Testbericht Sony KD-55A1 (Gesamtwertung: 86, Preis/UVP: 3500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

86 sehr gut

Der Sony KD-55A1 tut es seinem größeren Bruder gleich und erklimmt geradewegs unsere Bestenliste. Kein Wunder, schließlich bietet er ein tolles Gesamtpaket aus Smart-TV, hervorragendem Klang sowie sehr guter Bildqualität, wobei die Leuchtkraft in hellen Szenen (OLED-typisch) stark zurückgeht.
Udo Ratai/Martin Ratkovic

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