Panasonic TX-65EZW1004 (Test)

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Top in Form: So fulminant Panasonics TX-65EZW1004 von vorne auch aussieht, von der Seite wirkt er äußerst filigran. Sein OLED-Bildschirm ist gerade einmal sechs bis sieben Millimeter dick.

prosconsPanasonic setzt bei seinen Fernsehern verstärkt auf die OLED-Technologie und bringt gleich zwei neue Modellreihen auf den Markt. Wir haben das Flaggschiff TX-65EZW1004 ausführlich getestet.

Während der EZW954 die direkte Nachfolge des TX-65CZW654 (Test in audiovision 12-2015) antritt, markiert der in 65 Zoll und ab September auch in 77 Zoll angebotene EZW1004 die Spitze von Panasonics TV-Portfolio. Dieser hebt sich vor allem durch die Soundbar („Tuned by Technics“) vom günstigeren Bruder ab und kommt angeblich sogar in Hollywood als Referenz-Fernseher zum Einsatz. Zusätzlich prahlt er mit dem Ultra-HD-Premium- und THX-Logo. Doch machen ihn die Zertifikate wirklich zu einem Überflieger?

Ausstattung und Praxis

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Die Fernbedienungen besitzen eine veränderte Tastenanordnung und der Touchpad-Controller reagiert nun besser.

Eine übrig gebliebene Schraube nach dem Aufbau eines Möbelstücks oder eben Fernsehers kann ganz schön verunsichern. So mussten wir die Gebrauchsanleitung zu Rate ziehen, um festzustellen, dass die externe Soundbar korrekterweise nicht einfach nur auf den Standfuß gelegt, sondern zusätzlich in der Mitte fixiert wird. Um ein tragendes Element handelt es sich bei ihr allerdings nicht. Tatsächlich lastet das Gewicht in erster Linie auf dem 80 Zentimeter breiten Sockel, der aber geschickt versteckt beziehungsweise ins Design eingearbeitet wurde und so eine hohe Stabilität mit leichtfüßiger Erscheinung kombiniert. Während der Display-Rücken im schwarzen, seidenmatt glänzenden Aluminium-Look noch einen edlen Eindruck macht, finden wir die Kunststoffabdeckung darunter trotz Lederoptik weniger elegant, um nicht zu sagen billig – kein Vergleich zur (luxuriös anmutenden) Alcantara-Bespannung des eingangs erwähnten TX-65CZW954. In dieser Preisklasse wäre außerdem ein Kabelmanagement  wünschenswert, welches eine komplett unsichtbare Verlegung der Strippen à la Sony ermöglicht.

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Zweckmäßig: Die Kabel lassen sich von vorne unsichtbar verlegen. Für dicke und/oder ein ganzes Bündel an Strippen ist der Kanal im Standbein jedoch etwas zu eng.

Dass das OLED-Display des Panasonic von LG stammt, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Doch auch in Sachen Klang orientieren sich die Japaner offensichtlich an den Koreanern: Denn beide Hersteller lagern die Lautsprecher in eine Soundbar aus und werden hierbei von Audio-Spezialisten unterstützt – LG setzt auf das Know-how von Harman Kardon, Panasonic auf die hauseigene Marke Technics.

Leistungstechnisch hat der EZW1004 die Nase eindeutig vorn. Auf stolze 80 Watt bringt es das neue „Reference Surround Sound Pro“-System und übertrifft damit so ziemlich jeden aktuellen Fernseher. Im Inneren der 143 Zentimeter breiten Leiste stecken laut Datenblatt acht Tief-, vier Mittel- sowie zwei Hochtöner, wobei ein vierfacher Passivradiator die Bässe anhebt. Mit eigenen Augen davon überzeugen können wir uns zwar nicht, da eine fest montierte Stoffabdeckung die Treiber vor Blicken (und Beschädigungen) schützt, jedoch sind unsere Ohren durchaus angetan.

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Solide Basis: Die Soundbar erstreckt sich fast über die gesamte Breite des EZW1004 und klingt sehr ordentlich, sofern die Kunststoff-Blende in der Mitte nicht vibriert.

Das Ensemble erzeugt eine hervorragende Stereo-Basis mit sonorem Grundton sowie sehr guter Sprachverständlichkeit und bringt angesichts des fehlenden Subwoofers sogar Bässe relativ sauber zu Gehör. So röhrt zum Beispiel das Motorrad im Intro von „Werner – Volles Rooäää!!!“ authentisch vor sich hin. Schade ist, dass dem Audiosystem in tiefen Frequenzbereichen etwas die Luft ausgeht, wodurch Explosionen einen gewissen Wumms vermissen lassen. Zudem können die Kunststoff-Blenden der Standfüße besonders in Actionfilmen störende Geräusche beziehungsweise Vibrationen verursachen, weshalb man hier unbedingt auf einen festen Sitz achten sollte. Die Hochtonwiedergabe leidet unter der schräg nach oben gerichteten Abstrahlung. Vor allem die Präsenz­lagen in Frauenstimmen klingen manchmal leicht verfärbt. Hier hilft auch kein Umschalten des Presets „Standard“ auf „Musik“ oder „Ambiente“. Immerhin können über den Acht-Band-Equalizer im Modus „Benutzer“ dezente Korrekturen vorgenommen werden.

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Vermeintlicher Raumklang: Zusätzlich zu den Audio-Presets spendiert Panasonic einen Surround-Modus, der für unseren Geschmack allerdings zu aggressiv klingt.

An den Sony-OLED (Test in audiovision 06-2017) kommt der Panasonic EZW1004 unserer Meinung allerdings nicht heran, so dass die „sehr gut“-Wertung für den Ton verpasst wird – wenn auch nur denkbar knapp.

Die verbaute Technik hingegen ist vom Feinsten. Das Herzstück bildet natürlich wieder das Display, wobei das neue „Master HDR OLED“-Panel das des Vorgängers in mehrfacher Hinsicht übertreffen soll – zur Beurteilung kommen wir später. Darüber hinaus bringt Panasonic seine Erfahrungen aus dem Plasma-Bereich ein und verpasst dem EZW1004  einen reflexionsmindernden „Absolute Black Filter“ für noch satteres Schwarz.

Die Signalverarbeitung übernimmt der gleiche Prozessor wie in den gehobenen LCD-Modellen: Der „Studio Colour HCX2“ wurde von Hollywood-Spezialisten justiert und gewährleistet durch die Verwendung professioneller 3D-Lookup-Tabellen schon ab Werk eine hervorragende Farbwiedergabe, die bei Bedarf mithilfe der Kalibrieroption auf die Spitze getrieben werden kann. Wem rund 800 Euro für das dafür benötigte Calman-System (bestehend aus Mess-Sensor und Software) zu teuer sind oder wer lieber selbst Hand anlegt, der findet im Bildmenü zusätzlich ein manuelles Farbmanagement samt Weißabgleich.

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Voll vernetzt: Der Panasonic besitzt zahlreiche Netzwerkfunktionen samt TV-over-IP. Dank „TV Anywhere“ lassen sich Sendungen live aufs Smartphone streamen.

Auch wenn Mozilla das Firefox-Betriebssystem inzwischen aufgegeben hat, bleibt es ein fester Bestandteil der Panasonic-TVs und soll auch zukünftig mit Updates versorgt werden. Da wir den EZW1004 vor dem offiziellen Marktstart erhalten haben, fehlten ihm jedoch ein paar Funktionen. So waren zum Testzeitpunkt die Streaming-Dienste Amazon Video und Netflix aus Lizenzgründen nicht verfügbar, was sich laut Produktmanager in der finalen Software-Version selbstverständlich ändert.

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Nicht ausgebrannt: Panasonic setzt weiterhin auf das aufgeräumte, intuitiv bedienbare Firefox-Betriebssystem. In der Geräte-Übersicht werden alle Quellen dargestellt.

Bis dahin bekommt man UHD-Clips nur in YouTube oder über separate Zuspieler sowie den internen Mediaplayer zu sehen, der neben USB und Netzwerk auch SD-Karten als Quelle akzeptiert. Der eingebaute Quattro-Tuner ist ebenfalls Ultra-HD- und sogar HDR-fähig (via HLG), wobei die Auswahl an adäquaten TV-Sendern derzeit mager ausfällt. 3D-Fans müssen sich gänzlich in Verzicht üben.

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Rückkehr des Kartenlesers: Wurde der SD-Slot zwischenzeitlich gestrichen, steht er dem Mediaplayer des EZW1004 wieder als Quelle zur Verfügung. Auch sonst wartet das Gerät mit allen wichtigen Anschlüssen inklusive Quattro-Tuner auf.

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Lieblings-App auf Knopfdruck: Die „My App“-Taste lässt sich mit einer Anwendung aus dem Smart-TV-Portal belegen. Netflix verfügt bereits über eine eigene Taste.

Bildqualität

Egal, von welchem Hersteller: Aus den Kinderschuhen sind die OLED-Fernseher inzwischen herausgewachsen. So bereiten dem EZW1004 weder die anfangs häufig kritisierten Einbrenneffekte noch die Subpixel-Fehler nennenswerte Probleme – lediglich bei Rot zeigt unser Testgerät einen toten Bildpunkt. Die Farbdarstellung im Allgemeinen liegt auf absolutem Top-Niveau, wobei wieder mehrere Bildmodi infrage kommen. Zum Beispiel profitieren Schwarz-Weiß-Filmklassiker wie „Casablanca“ von den nahezu perfekten Graustufen des Presets „THX Bright Room“, während sich „Professionell 1“ durch eine bessere Farbsättigung sowie neutralere Mischtöne auszeichnet. Unabhängig vom gewählten Modus verschieben sich aus schräger Perspektive vor allem Weiß und Gelb in Richtung Blau beziehungsweise Grün. Zusätzlich bleichen ab etwa 30 Grad Hautpartien aus, jedoch weniger stark als beim Vorgänger. Wer es generell bunter mag und einen leichten Rotstich in Gesichtern verzeihen kann, ist mit der Farbskala-Einstellung „natürlich“ gut beraten.

Auf die Kontrastwiedergabe hat der Blickwinkel keinerlei Auswirkungen. Diese bleibt von der Seite ebenso perfekt wie bei zentraler Betrachtung: Im ANSI-Schachbrettmuster messen wir ein Verhältnis von fast 4.000:1 und unter Auflicht nicht minder beeindruckende 1.414:1. Selbst kontrastschwache, dunkle Filmszenen wie die nächtliche Rettungsaktion von „Captain Phillips“ sehen auf dem Panasonic sagenhaft aus, da es keine unerwünschten Aufhellungen gibt und die Letterbox-Balken in tiefstem Schwarz erscheinen. Bei der Lichtausbeute überholt der EZW1004 sogar die meisten Konkurrenten, entlockt er doch bereits dem farbneutralen SDR-Bildmodus „Professionell 1“ bis zu 352 Candela und legt im HDR-Betrieb noch einmal deutlich zu.

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Der integrierte Tuner deckt praktisch alle verfügbaren Empfangswege ab und listet sogar Ultra-HD-Programme. Er beherrscht auch HLG für künftige HDR-Übertragungen.

Galten die Ultra-HD-Premium-Anforderungen der UHD Alliance vor gar nicht allzu langer Zeit noch als schwer erfüllbar, übertrifft sie der TX-65EZW1004 in jeder Hinsicht – und das im besten Bildmodus „Professionell 1“.

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Beste Wahl: Wie im SDR-Betrieb liefert der Bildmodus „Professionell 1“ auch bei HDR die natürlichsten Farben, aber mit fast vollständiger DCI-P3-Abdeckung.

Löblich sind zunächst einmal die gegenüber SDR-Videos extrem intensiven, jedoch nach wie vor naturgetreuen Farben. Bis auf leichte Einschränkungen bei Grün und Gelb wird das DCI-P3-Spektrum exakt abgedeckt (siehe CIE-Segel oben). Den D65-Punkt trifft Panasonics OLED-TV mit 6.439 Kelvin perfekt. Da die organischen Leuchtdioden in schwarzen Bildbereichen abschalten und somit kein Licht emittieren, kommt auch ein phänomenaler Schwarzwert von 0,001 Candela zustande. Dadurch sehen insbesondere nächtliche Szenen wie die Stadtaufnahmen in der vierten Episode der Dokumentation „Planet Erde II“ ungemein plastisch aus.

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Im HDR-Betrieb steigert der EZW1004 einerseits die Leuchtkraft und andererseits die Farbbrillanz, indem er das erweiterte Farbskala-Preset „Rec. 2020“ aktiviert.

Bei der Helligkeit legt das neue Modell im Vergleich zum Vorgänger ordentlich zu: Liefert dieser höchstens 444 Candela, bringt es der EZW1004 auf rund 700 Candela; allerdings nur im Spitzlicht vor schwarzem Hintergrund. Vergrößern wir das Messfenster von 10 auf 25 Prozent, schrumpft die Ausbeute auf 441 und im vollflächigen Weißbild (100 Prozent Average Picture Level) sogar auf magere 145 Candela – immer noch ein entscheidender Nachteil gegenüber aktuellen Top-LCDs. Bei den HDR-Formaten unterstützt der Panasonisc HDR-10 und HLG; Dolby Vision könnte die Hardware zwar ebenfalls verarbeiten, doch ist vorerst kein Upgrade geplant.

Als überaus flexibel erweist sich die „Intelligent Frame Creation“. Die Schaltung hält nämlich getrennte Regler zur Optimierung der Bewegungsschärfe von TV-Material („Blur-Reduktion“) und für Kinofilme („Film Smooth“) bereit, so dass man nicht ständig umschalten muss. Nicht empfehlenswert ist dagegen die „Clear Motion“-Funktion, da sie einerseits die Leuchtkraft spürbar reduziert und andererseits störendes Bildflackern verursacht.   

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bewertung

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Der Testbericht Panasonic TX-65EZW1004 (Gesamtwertung: 87, Preis/UVP: 7000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

87 sehr gut

Der Panasonic TX-65EZW1004 ist ein gelungenes Update zum Vorgänger: Er bietet einen besseren Bedienkomfort, satteren Klang und eine gesteigerte Helligkeit, die bei großem Weißanteil aber nach wie vor einbricht. Nichtsdestotrotz sehen HDR-Videos klasse aus; nur Dolby Vision bleibt auf der Strecke.
Martin Ratkovic

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